News > Potential muss endlich genutzt werden! Einbindung der MTD Berufe in den Eltern-Kind Pass gefordert

am 22.11.2022
MTD-Austria begrüßt die Ausweitung des Mutter-Kind-Passes

Wien (OTS) - Die gestern per OTS kommunizierte Ausweitung des Mutter-Kind Passes auf einen Eltern-Kind Pass findet große Zustimmung bei MTD-Austria. Kinder und Jugendliche sind vulnerable Mitglieder unserer Gesellschaft und haben das Recht auf bestmögliche Rahmenbedingungen für gesundes Aufwachsen und Entwicklungsförderung.

Alle Kinder sollen zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort die passende Leistung erhalten, um die Gesundheit zu bewahren und rechtzeitig Probleme und Risiken zu identifizieren. Daher ist besonders auch im Rahmen des geplanten Eltern-Kind-Pass Programmes mit einem Screening der Kinder von Null bis sechs Jahren als Basisprogramm das Einbinden der Angehörigen der MTD Berufsgruppen als Fachexpert*nnen dringend geboten.
Expertise der MTD Berufe muss endlich genutzt werden

Dazu ist die Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe notwendig. Aufgrund des evidenten Personalmangels am Gesundheitssektors ist es nicht nachvollziehbar und auch nicht akzeptabel, das Potenzial der rund 39.000 Berufsangehörigen der sieben MTD Berufsgruppen, Biomedizinische Analytik, Diätologie, Ergotherapie, Logopädie, Orthoptik, Physiotherapie und Radiologietechnologie weiterhin konsequent außen vor zu lassen.
Im Sinne der Patient*innensicherheit und hochqualitativen Betreuung ist hier ein Mit- und kein Gegeneinander gefragt.
Die MTD Berufe stehen für die Expertise und Kompetenz in Screening und Diagnostik von Entwicklungsstörungen- und Verzögerungen von Kindern sowie in der Gesundheitsförderung und Beratung der Eltern in Bezug auf die Gesundheitskompetenz und gesundes Aufwachsen.

Gabriele Jaksch, Präsidentin MTD-Austria „fordert bei der Neugestaltung des Eltern-Kind-Passes die längst überfällige Einbindung der MTD Berufe um die Expertise und Leistungen den Jüngsten der Gesellschaft für eine gesunde Entwicklung zugänglich zu machen.“

Bewegungsentwicklung- und Kontrolle von Kindern und Stärkung der Gesundheitskompetenz der Eltern

„Physiotherapeut*innen sind speziell darin ausgebildet, die Bewegungsentwicklung, Bewegungsqualität und Motorik eines Kindes einzuschätzen und können somit Verzögerungen in der Entwicklung sowie mögliche Fehlentwicklungen frühzeitig erkennen. Die Motorik ist die Grundlage für die Handlungs- und Kommunikationsfähigkeit eines Kindes und bedarf so der Beurteilung von entsprechenden Expert*innen. Eltern können adäquate Beratung und Hilfestellung erfahren. Durch fachkundige, rechtzeitige Anleitung kann späteren Defiziten vorgebeugt und kostenintensive Behandlung verhindert werden. Frauen sind nach der Geburt oft nicht umfassend beraten und betreut, wenn es um die vollständige Wiederherstellung der Funktion des Beckenbodens geht und z.B. durch Inkontinenz einem hohen Leidensdruck ausgesetzt. Die rechtzeitige Identifizierung eines derartigen Probleme fällt in die Kompetenz von Physiotherapeut*innen und kann einen maßgeblichen Beitrag zur Entlastung in diesem Bereich darstellen,“ unterstreicht Constance Schlegl, Präsidentin Physio Austria.

Impfstatus und Früherkennung von Infektionen

„Im Rahmen der Eltern-Kind-Pass Untersuchungen könnten einige Tätigkeiten eigenverantwortlich von Biomedizinischen Analytiker*innen durchgeführt werden wie Screening von gynäkologischen Abstrichen (Streptokokken-Screening, PAP-Abstriche), Blutabnahmen für und anschließende Durchführung von Antikörper-Titerbestimmungen (Röteln, CMV, Rhesus-Unverträglichkeit,…), Durchführung des oralen Glucose-Toleranztests bei Schwangeren zwischen SSW 24 und SSW 28 zur Früherkennung von Gestationsdiabetes, Durchführung von Fibronektin-Schnelltests zum Ausschluss eines vorzeitigen Blasensprungs, Harnstreifen-Screening zum Ausschluss von Infektionen des Urogenitaltraktes bzw. zur Früherkennung eines präeklamptischen Geschehens, Analyse des Blutes Neugeborener: bei V. a. auf Neugeborenenikterus, Screening auf angeborene Stoffwechselstörungen, diverse Hormonanalysen zum Ausschluss von Wachstumsstörungen, Titerbestimmungen zur Ermittlung des Impfstatus bei Kleinkindern nach erfolgter Impfung und Durchführung von EEG-Untersuchungen bei Verdacht auf Epilepsie oder andere Verhaltensstörungen“, betont Sylvia Handler, Präsidentin von Biomed Austria.

Störungen der Wahrnehmungsverarbeitungen und Handlungskompetenz

„Eine ergotherapeutische Befundung im Rahmen des Eltern-Kind-Passes ermöglicht im Bedarfsfall eine rechtzeitige Unterstützung des Kindes in seiner Entwicklung. Unter Verwendung von diversen Assessments werden in der ergotherapeutischen Befundung die Handlungskompetenzen eines (Klein-)Kindes strukturiert beobachtet. Werden Hinweise auf Entwicklungsverzögerungen oder Entwicklungsstörungen im Bereich der Wahrnehmungsverarbeitung bzw. motorischen, kognitiven und sozialen Entwicklung des Kindes identifiziert, kann eine möglichst rasche Aufnahme der Ergotherapie folgen“, so Marion Hackl, Präsidentin Ergotherapie Austria.
Erkennen von Risiken für Fehlernährung und Adipositasprophylaxe
Andrea Hofbauer, Präsidentin des Verbandes der Diätolog*innen Österreichs:

„Diätolog*innen sind die Ernährungsexpert*innen, die im Rahmen eines Ernährungsscreenings Risiken für mütterliche Mangel-, Über- oder Fehlernährung feststellen und dementsprechende ernährungstherapeutische Maßnahmen setzen können. Beim Neugeborenen bzw. in den ersten Lebensmonaten sind Hilfestellungen bei der Stillernährung, dem Stillen bzw. der Ernährung mit Säuglingsanfangsnahrung wichtig, um Risiken für kindliche Mangelernährung auszuschließen, die beispielweise durch einseitige Ernährung oder fehlendes Ernährungswissen der Mutter oder bei Gedeihstörungen aufgrund verschiedenster kindlicher Grunderkrankungen entstehen können. Eine frühzeitige Adipositasprophylaxe sowohl bei Eltern als auch Kind kann durch eine Ernährungsumstellung der ganzen Familie schwerwiegende Erkrankungen vorbeugen und Leid verhindern.“

Sehfehler und Schielabweichungen frühzeitig erkennen

„Die Augenuntersuchung im Rahmen des MKP ist eine wichtige Vorsorgeuntersuchung um Sehfehler und Schielabweichungen frühzeitig zu erkennen und bleibende Sehschwächen zu vermeiden. Orthoptist*innen sind Expert*innen in der Erkennung von Funktionsstörungen des Auges und gemeinsam mit Augenärzt*innen führen sie Untersuchung kindgerecht durch. Stellungnahmen zur Evaluierung der derzeitigen Augenuntersuchungen im Rahmen des MKP wurden von der ÖOG (Österreichisch Ophthalmologischen Gesellschaft) und Orthoptik Austria bereits mehrfach eingebracht und brauchen Berücksichtigung im neuen Eltern-Kind-Pass. Jedes Kind sollte spätestens bis zum 3. Geburtstag orthoptisch und augenärztlich untersucht werden,“ betont Orthoptik Austria Präsidentin Romana Weidinger.

Erkennen von Sprach- und Sprechentwicklungen

Karin Pfaller-Frank, Präsidentin Logopädie Austria: „Logopäd*innen sind jene Fachexpert*innen die Auffälligkeiten im Bereich der Nahrungsaufnahme, der Sprach-und Sprechentwicklung, des Hörens sowie der Mundfunktionen (frühzeitig) diagnostizieren können. Sprache ist jene grundlegende Fertigkeit auf der sämtliche Schlüsselkompetenzen (Lesen, Schreiben usw.) des Menschen aufbauen Je früher eine Sprachentwicklungsstörung/Spracherwebsstörung oder eine Störung der Mundfunktionen erkannt wird, umso größer ist die Chance, dass Folgestörungen, die sämtliche Bereiche der Kommunikation betreffen, vermieden werden.“

Einsatz der Hüftsonographie zur Früherkennung der Hüftdysplasie

Und last but not least Sabine Weissensteiner, Präsidentin des Berufsfachverbandes für Radiologietechnologie Österreich: „Die Screening-Hüftsonographie beim Neugeborenen ist wichtig als Vorsorgeuntersuchung einzubauen. Radiologietechnolog*innen sind hier tätig. Die Hüftdysplasie kann leicht behoben werden, wenn frühzeitig die Anlage dazu erfasst wird“

Die sieben Berufsverbände stehen bereit, tatkräftig an der Entwicklung des neuen Eltern-Kind-Passes mitzuarbeiten und Verantwortung in der Umsetzung zu übernehmen.

Rückfragen & Kontakt:

MTD-Austria – Dachverband der gehobenen medizinisch-technischen Dienste Österreichs
Mag.a Gabriele Jaksch
g.jaksch@mtd-austria.at
0664/1414150

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | MTD0001

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20221117_OTS0108/pot...
Quelle: OTS0108, 17. Nov. 2022, 12:10


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